Alaska · Hundeschlitten · Musher · Iditarod · Yukon Quest


Erstellt am 30.10.2007 von Admin User

Von Blankenese nach Alaska


Artikel, erschienen im "Hamburger Abendblatt" vom 18.02.2007.

© Hamburger Abendblatt  Link zum Originalartikel

HAMBURGER FÄHRT RENNEN

Von Blankenese nach Alaska

Schlittenhunde Alaska

Peter Cohrs hat sich einen Traum erfüllt. Er fährt in Alaska mit Schlittenhunden durch die Wildnis. Jetzt plant er, an dem längsten Rennen der Welt teilzunehmen.

Von Sophie Laufer

Direkt vor dem Start zu einem Rennen fragt er sich manchmal: Was mache ich hier eigentlich? Dann muss er sich zusammenreißen, um die viele hundert Meilen lange Strecke durch die Wildnis auch wirklich zu fahren. Den Respekt vor der Einsamkeit überwinden. Und sich nicht durch die bittere Kälte abhalten lassen. Peter Cohrs (60) fährt in Alaska Hundeschlittenrennen. Seit 18 Jahren fliegt er regelmäßig dorthin, um mit den Tieren durch die raue Landschaft zu jagen.

"Diese einzigartige Kombination vom Gefühl der Freiheit, der Landschaft und der Arbeit mit diesen Hunden macht den Reiz aus", sagt er. "Diese Reisen sind eine ideale Möglichkeit zur Selbstfindung. Dort fühle ich mich so frei, bin eins mit der Natur." Ganz anders als in der Großstadt.

Im Jahr 1989 stand der ehemalige Bauingenieur der Deutschen Bahn zum ersten Mal auf einem Hundeschlitten in Alaska. "Eigentlich war ich mit Freunden zum Angeln dorthin gefahren. Doch nach einigen Tagen habe ich diese Ruhe nicht mehr ausgehalten und bin mit einem Kollegen zu einem Schlittenhundehalter gefahren." Einfach nur, um sich die Tiere einmal anzuschauen. Dieser sogenannte Musher habe rund 100 Hunde gehabt und ihnen ein Team für ein Schlittengespann zur Verfügung gestellt. "Wir waren beeindruckt von den Tieren und dieser uns fremden Fortbewegungsart."

Seitdem lebt Peter Cohrs für die Schlittenfahrten. Fliegt beinahe jedes Jahr für mehrere Wochen oder auch Monate nach Alaska. Lässt immer wieder seine Lebensgefährtin Petra Berries (54) und die Kinder in Hamburg zurück. "Diese Rennen vor Augen zu haben, das hält mich jung und fit", sagt er. So habe er 2005, als er ein künstliches Kniegelenk bekommen habe, die ganze Zeit nur daran gedacht, dass er für den Flug nach Alaska wieder fit sein müsse. "Ich konnte so schnell wieder richtig laufen wie kein anderer."

Ziel: Das längste Rennen der Welt

Angst kennt der Hamburger nicht. Weder vor wilden Tieren wie Wölfen, Elchen oder Bären. Noch vor der Einsamkeit auf den langen Strecken. "Komisch ist es aber schon, wenn man nachts unterwegs ist." Man sehe um sich herum wenig, können nur an den Geräuschen erahnen, was passiere. "Sorgen bereiten mir dann vor allem die unberechenbaren Elche, die auf einen losgehen können. Von denen versuche ich mich und die Hunde fernzuhalten."

Derzeit plant Cohrs die Verwirklichung seines größten Traums: "Ich möchte im nächsten Jahr am längsten und härtesten Hundeschlittenrennen der Welt teilnehmen." Das Iditarod führt von Anchorage nach Nome, 1049 Meilen durch den Schnee. Durch Einsamkeit und teilweise härteste Witterungsbedingungen mit bis zu minus 55 Grad. Neun bis zehn Tage brauchen die schnellen Hundeschlittengespanne für die Strecke, die langsamen rechnen mit 14 Tagen Fahrtzeit. Übernachtet wird auf freier Strecke in den Schlafsäcken oder an den kleinen Stationen der Rennleitung. "In den nächsten Monaten werde ich meine ganze Zeit in die Vorbereitung für das Rennen stecken. Ich will nichts dem Zufall überlassen."

Cohrs hat bereits mehrere Qualifikationsrennen absolviert, um für das Iditarod zugelassen zu werden. "Seit meiner letzten Reise habe ich die vorgeschriebenen 500 Meilen zusammen", sagt er. Jetzt gehe es an die Planung der Logistik und der Ausrüstung. Noch fehle es beispielsweise an Schutzmänteln und Schuhen, den sogenannten Booties, für die Hunde. "Auch meine Ausrüstung muß geplant werden." Rund 18000 Euro wird Cohrs das Rennen kosten. "Deshalb brauche ich dringend finanzielle Unterstützung."

Ein geeignetes Hundeteam hat der Rentner bereits. "Ein Freund von mir hat 20 junge Hunde, die er mir zur Verfügung stellt. Wir nennen uns deshalb auch das Puppy-Team." Spätestens im Oktober will Cohrs nach Alaska fliegen, um die Tiere richtig kennenzulernen. "Ich muss mit ihnen trainieren. Und aus den 20 Hunden die zwölf besten für das Rennen auswählen."

Enge Bindung zu den Hunden

Denn die Verbindung zwischen dem Schlittenführer und seinen Hunden sei entscheidend für den Erfolg bei einem Rennen. "Es muss absolutes Vertrauen herrschen. Die Tiere müssen mir aufs Wort gehorchen." Und sie müssen die Kommandos perfekt beherrschen. "Denn da draußen sind wir aufeinander angewiesen. Da darf nichts schiefgehen."

Cohrs liebt und verehrt die eleganten und intelligenten Tiere. Weiß aber auch, dass in Alaska die Hunde eine andere Stellung haben als in Deutschland. Und dass sie anders behandelt werden, zunehmend schlechter. "Die Hunde waren immer Arbeitstiere. Das sind keine Haustiere wie hier in Deutschland." Seitdem Snowboards die Hundeschlitten abgelöst hätten, sei ihre Arbeitskraft nicht mehr vonnöten. "Und mit der sinkenden Bedeutung wurden sie auch immer schlechter behandelt." Er habe schon oft davon gehört, dass leistungsschwache Tiere "beseitigt" wurden. "Doch darüber spricht in Alaska keiner. Keiner versucht es zu verhindern.

Cohrs hofft, als Schlittenführer einige der Tiere vor dem Tod zu bewahren. "Dadurch, dass ich und andere Ausländer die Hunde mieten, leasen oder sogar kaufen, werden sie wieder gebraucht." Die Hundehalter hätten keinen Grund mehr, die Tiere zu töten. "Denn teuer ist in erster Linie das Futter, und das Geld dafür kriegen sie von uns."

Immer wieder nach Alaska

Trotzdem widersteht er immer wieder dem Drang, einen der schönen Hunde mit nach Hause zu nehmen. "Ich könnte den Tieren hier nicht gerecht werden. Sie sind für die Kälte gemacht. und sie brauchen viel mehr Bewegung, als man ihnen in einer Stadt geben kann." Also fährt er weiter nach Alaska. Um den Hunden dort eine Aufgabe zu geben. Und um seine immer wieder neu gesetzten Ziele zu verwirklichen. "So lange ich kann, werde ich dorthin fliegen. Diese Tiere und die Natur machen süchtig."

© Hamburger Abendblatt. Erschienen am 18. Februar 2007

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